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Liebe Mitleser, Mitbeter und Schreiber der Zuschriften,

wie aus den Zuschriften hervorgeht, ist für die meisten von uns die Ereignisse der letzten Tage sehr verwirrend. Die Mehrzahl der Zuschriften zeigen, dass die Schreiber Orientierung suchen.

Sie stellen fest oder haben festgestellt:

1.  gegen 3:30 soll in einem Zwischenergebnis mitgeteilt worden sein, dass nach dem vierten Wahlgang auf Kardinal Scola 45 Stimmen und Kardinal Scherer 35 Stimmen entfielen. Kein Wort von oder über den Kandidaten Bergoglio.

2.  Um 20:25 Uhr als Franziskus schon in der Loggia über dem Petersdom hat die italienische Bischofskonferenz dem neu gewählten Papst ihre Glückwünsche per E-Mail ausgerichtet. Leider gratulierte sie dem falschen. In der E-Mail brachten die italienischen Bischöfe ihrer Freude über die Wahl des Mailänder Kardinals Angelo Scola zum Ausdruck, der im Vorfeld des Konklaves häufig als möglicher Nachfolger Papst Benedikts XVI. genannt worden war. Dies berichtet die italienische Zeitung „Corriere della Sera“. Es wurde auch mitgeteilt, Scola habe den Namen Leo XIV angenommen. Mariano Corciata, der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, hatte in der Eile offenbar eine vorbereitete Meldung ohne Korrektur ausgesandt. Kurz darauf wurde in einer nachfolgenden E-Mail der Name richtig gestellt.

3.  Müssen wir dieses als Presseenten betrachten, oder was spielte sich wirklich beim Konklave ab?

Ergänzend zu diesen Nachrichten möchte ich auf eine Informationen des «Corriere della Sera» hinweisen. Danach verdankt Papst Franziskus den Wahlerfolg einer Gruppe um Kardinaldekan Angelo Sodano, der aufgrund der Altersbeschränkung nicht mitwählte, dem Konklave-Leiter Kardinal Giovanni Battista Re, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und den elf US-Kardinälen; diese hätten sich einen Kardinal vom amerikanischen Doppelkontinent gewünscht. Die Italiener seien in der Ablehnung ihres Landsmanns Angelo Scola einig gewesen, auch die Norditaliener hätten nicht für den Mailänder Erzbischof gestimmt, schreibt die Zeitung. Von dieser Seilschaft wurde bereits in Berichten aus dem Vorkonklave gesprochen, ebenso von einem Anti–Ratzinger–Bündnis, das der Kardinal Kasper schmiede.

Welche Möglichkeit haben wir — bei all diesen Unterschiedlichen Aussagen, Berichten und Eindrücken —, die Wahrheit zu erkennen?? Ich selbst hatte mir vorgenommen, den Neugewählten aufgrund der Botschaften genau zu beobachten: wie er segnet, wie er betet, welche Prioritäten er im Gebet setzt usw. Ich war der Ansicht, wenn er der ist, der uns in den Botschaften beschrieben wird, so werden wir Unterschiede feststellen. Er wird z,B. zu der Unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria in der kindlichen Inbrunst und mit der tiefen Glaubensüberzeugung beten, wie dieses etwa der selige Johannes Paul II immer wieder tat. Das Auftreten von Papst Franziskus war perfekt und – sofern es Regie war, stimmte sie nahezu perfekt bis auf eine symbolische Handlung:

Der Papst verbeugte sich als erstes vor den Menschen auf dem Petersplatz mit derselben Verbeugung, mit der der Priester sich vor dem Altare vor Gott verbeugt. Dies ist eine tiefe Symbolik. Der Priester stellvertretend für die Menschen oder in diesem Falle sogar der Vikarius Jesu Christi auf Erden verbeugt sich vor den Menschen und entbietet ihnen die Verehrung, die einzig Gott zusteht. Offensichtlich tut er dieses, um seine Demut zu zeigen. Diese Symbolik hat mich tief getroffen und ich wäre froh, wenn die Diskussion angeregt würde. Es gibt sicher Priester unter den Betern und Lesern, die diese Symbolik besser interpretieren können.

Es ist mir ferner aufgefallen, dass Franziskus sich nahezu nie kniet – wenn dies liturgisch vorgesehen ist, sondern sich in der Regel nur verbeugt. Sofern meine Beobachtung medizinische Gründe hat, muss ich mich entschuldigen. Dann ist meine Reflexion unangemessen.

Ein letzte Beobachtung scheint mir symptomatisch für den Zustand unserer heutigen Kirche, Beim Einzug der Kardinäle in die Sixtina am Freitag zur hl. Messe zogen die Kardinäle in ganz unterschiedliche liturgischer Haltung ein, Die einen fast engelgleich mit gefalten Händen vor der Brust, tiefkonzentriert, die zweite Gruppe mit überkreuzten Händen deutlich lässiger und die dritten in lässiger Haltung die Arme schwenkend, so als gingen sie ins Büro.

Empfehlen wir den Papst und die hl. Kirche Gott im Gebet